Wenn ich eins aus acht quälenden Staffeln DESPERATE HOUSEWIVES gelernt habe, dann, dass besonders hinter verschlossenen Türen von Vororten stets Geheimnisse versteckt sind. Die Fassade aus perfekten Familien und ewig grünen Vorgärten bietet den Nährboden für menschliche Abgründe. So auch in dem kleinen, zur modischen Perfektiondurchgestylten Machwerk von GHOSTBUSTERS (2016) Regisseur Paul Feig. Obwohl der Trailer zu NUR EIN KLEINER GEFALLEN sehr an GONE GIRL erinnert, beschreitet Paul Feig mit der Geschichte von der Autorin Darcey Bell nicht die zu erwartenden Pfade. Meinungen zum Film sowie zur Besetzung spalten Kritiker und Zuschauer gleichermaßen. Somit eröffnet der Film zum Verkaufsstart der Blu-ray-Version eine passende Gelegenheit hinter die Gardinen der Vorstadt zu blicken.

NUR EIN KLEINER GEFALLEN – Miles & Stephanie & Nicky // © Studiocanal

Inhalt

Durch die Freundschaft der Kinder Nicky und Milestreffen zwei Frauen aufeinander, die auf den ersten Blick nicht passen wollen. Da wäre zum einen Stephanie Smothers (Anna Kendrick), die nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes ihr Leben vollkommen dem Sohn widmet. Mit ihrer stets guten Laune und ihrem übertriebenen Engagement für die Schule zieht sie gerne mal gehässige Blicke der „normalen“ Eltern auf sich. Das komplette Gegenteil zu der lebensfrohen Hausfrau Stephanie stellt hingegen Emily Nelson (Blake Lively) dar. Für die kühle Karrierefrau existiert nur ihr Job. Dementsprechend sieht man sie höchstens beim Vorbeibringen oder Abholen ihres Sohns. Während einer Spielverabredung der beiden Kinder lernen sich diese ungleichen Frauen besser kennen und es entsteht eine Art Freundschaft. So ist es auch nicht außergewöhnlich, dass Emily eines Tages Stephanie um den Gefallen bittet, ihren Sohn ebenfalls von der Schule abzuholen. Nachdem Emily jedoch ihr Kind am Abend nicht abholen kommt, beginnt Stephanie sich zu sorgen. Zu Recht, wie sich herausstellt, denn Emily ist plötzlich auf mysteriöse Weise wie vom Erdboden verschwunden.

Nur ein kleiner Gefallen - Screen 9
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© Studiocanal

„Sexy – Hot – Progressive!“  Bruce Darnell

Auf der Basis der Romanvorlage von Autorin Jessica Sharzer fertigt Regisseur und Drehbuchautor Paul Feig ein lebendig gewordenes Hochglanz-Modemagazin. Alles ist durchgestylt und zur Perfektion ausgeleuchtet. Schöne Häuser, schöne Menschen und eine heile Welt werden aufgezeigt. Besonders die Auftritte von Emily, gespielt von der talentierten Blake Lively (GOSSIP GIRL, THE TOWN), können Eins-zu-Eins als Fotoshooting herhalten.

NUR EIN KLEINER GEFALLEN – Emily (Blake Lively) // ©Studiocanal

Der modebewusste Regisseur Paul Feig verewigt mit diesem Film in erster Linie seine Vorstellung von gutem Geschmack und Stil. Wie er selbst, trägt auch Emily maßgeschneiderte Anzüge und Gehstock. Sie wird somit zum Abbild des Regisseurs. Dadurch fällt sie in der überdurchschnittlich durchgestylten Vorstadtidylle auf wie ein Leuchtfeuer. Der einschlägige, französische Soundtrack, der so auch sicher in einem Café während der Fashion Week in Paris laufen könnte, rundet diesen Eindruck ab. Das Ergebnis nennt Feig „Suburban-Noir“ und spielt damit auf Klassiker der französischen Noir mit Krimi- und Thriller-Geschichte an. Jedoch ist NUR EIN KLEINER GEFALLEN kein herkömmlicher Thriller. Die Geschichte der beiden Frauen wird immer wieder mit Comedy-Einlagen aufgelockert. So zum Beispiel mit dem offensichtlichen Seitenhieb auf die Modewelt in Form von Emilys Chef Dennis Nylon. Herrlich überzeichnet und absurd wird Rubert Friend(HITMAN: AGENT 46, DER TOD VON STALIN) als Dennis Nylon zu einem kleinen Highlight des Films. Ansonsten beschränkt sich der Film auf Situationskomik und Fremdschämen. Beides liefert hauptsächlich Anna Kendrick in gewohnter Manier ab. Das kommt beim Zuschauer mehr oder weniger gut an – je nachdem, ob man die quirlige und tollpatschige Stephanie mag oder nicht. Alles in allem sind die Figuren der beiden Hauptdarstellerinnen Kendrick (PITCH PERFEKT, INTO THE WOODS) und Lively eng abgesteckt. Beide liefern genau das Standardprogramm ab, das sie bereits in anderen Produktionen gezeigt haben. Damit nimmt sich NUR EIN KLEINER GEFALLEN sein größtes Potenzial: Überraschung.

NUR EIN KLEINER GEFALLEN – Stephanie (Anna Kendrick) // © Studiocanal

Ein Schlag ins Gesicht

Die Geschichte liefert um das mysteriöse Verschwinden von Emily in der ersten Hälfte des Films eine stimmungsvoll aufgebaute und gut inszenierte Story ab. Das schwache Drehbuch lässt sich jedoch nicht hinter der glamourösen Aufmachung verbergen. Feig steuert mit wachsender Laufzeit immer schleppender auf das unbefriedigende Finale zu. Es bröckelt, ähnlich wie bei der Vorstadtidylle, immer mehr die Fassade eines stimmungsvollen Thrillers ab. Paul Feig fehlt es eindeutig an Raffinesse, das Geflecht aus Lügenfür die Zuschauer angemessen aufzubereiten. Gerade im letzten Drittel wirken die wirren Twists und Ereignisse zu konstruiert. Lücken in der Dramatik werden mit unnötigen Rapeinlagen von Anna Kendrick und unlustigen Gags überspielt. Gänzlich verliert die Geschichte ihren Reiz und das „unvorhersehbare“ Ende wirkt somit wie eine Ohrfeige ins Gesicht der Zuschauer. Obwohl, es hätte auch noch viel schlimmer kommen können.

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