Ein Festival voller Höhen und Tiefen. Große Gefühle und harte Enttäuschungen. Zwischen Kippen und Kaffee, Tanzfläche und Kinosaal. Filme, die mich berührt haben, Filmgespräche, die mich zu Weißglut gebracht haben. Und ein ganz wunderbarer Workshop.

Ein Fest der Kulturen. Etwas Ungreifbares fassbar machen, das stand im Mittelpunkt. Themen die als selbstverständlich gelten, sind es vielleicht nur 100km weiter entfernt schon nicht mehr. Begegnungen zwischen Musik, Essen und Film inmitten von Menschen.

Und am Ende fragt man sich, wie weit die eigenen Erwartungen vom letztlichen Erlebnis entfernt waren. Nie hätte ich geahnt, wie sympathisch ein Kursleiter der Kritik seien kann, wie viel Spaß man beim gemeinsamen Redigieren in der Gruppe hat und wie viele Formen der Film inzwischen einnehmen kann.

Der Kurs ist für jeden etwas, der sich im Schreiben üben möchte und gerne Wein trinkt.

Das westliche Normal sieht im Osten schon wieder anders aus. Das goEast Filmfestival vermittelt mit dokumentarischen Filmen und Dramen aus Mittel- und Osteuropa, dass die Realität bei jedem doch anders aussieht.

Viel Resonanzraum für eigene Assoziationen, Gedanken, Empfindungen bietet diese bunte Programmauswahl, die mich mal befremdet, mir mal sehr vertraut erscheint – deren Filme aber immer mit viel Menschlichkeit erzählen. Ich gehe jeden Abend mit tausend Gedanken und neuen Impulsen nach Hause. So richtig ablegen kann ich das Gesehene nicht, und das ist gut so.

Ich habe mich bei diesem Workshop auch mit eigenen Vorurteilen konfrontiert gesehen: Kino des mittel- und osteuropäischen Films? Das ist doch eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Spaß gemacht hat es dann aber doch und viele neue Perspektiven habe ich kennengelernt. Das weitet den Blick, das Denken und auch das Herz – dann schreibt es sich auch gleich viel besser.

Osteuropäische Filme – mal was ganz Neues. Genauso wie ein Workshop mit einem coolen Leiter. Schön, dass wir zusammen unsere Horizonte erweitern konnten. Beide Aspekte waren überzeugend, es bestand die richtige Balance aus Unterhaltsamkeit und neuem Wissen, und der Stripperfilm [STRIP AND WAR von Andrei Kutsila, Anm. der Redaktion] hatte genau die richtige Anzahl an Nacktszenen.

Geschichtsdoku, gestrippter Generationenkonflikt, Hip-Hop Musikvideo, Katzen-Knetfilme. Es scheint egal zu sein, was dasgoEast seinem Publikum vorsetzt – es wird geguckt. Gut besucht sind die Screenings und die Publikumsgespräche. Die Wiesbadener*innen sind schließlich kulturinteressiert. Aufpassen muss man dann ja nicht unbedingt auch noch. Es ist spannend zu sehen, was aus so einem Festival werden kann, wenn die Richtigen zum Kleingeld greifen.

Filme aus Mittel- und Osteuropa: etwas, womit ich mich vor dem Workshop und dem goEast-Festival nicht näher auseinandergesetzt habe. Jetzt, nach mehreren Tagen voller neuer Eindrücke und dem Verfassen vieler Texte, kann ich sagen: Filme aus Ost- und Mitteleuropa sind definitiv eine Auseinandersetzung wert.

(c) Jeva Griskjane

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